König der Lüfte

Ein Stück weit ist das meine Geschichte über mein Empfinden als „Kleine“. Viele Dinge traute ich mir früher einfach nicht zu, wie zu zeichnen oder zu malen und manche meiner Fähigkeiten stellte ich in Frage. Statt meinen eigenen Träumen nachzugehen, bin ich oft dem gefolgt, was andere für richtig für mich hielten. So wollte ich zum Beispiel als Kind so gerne Krankenschwester werden, doch aus verschiedenen Gründen wurde erst mal nichts daraus. Später wollte ich unbedingt Literatur und Sprachen oder Psychologie studieren, doch ich traute mich nicht, meine Mutter zu enttäuschen. Also studierte ich ihr zuliebe „etwas Sinnvolles“ - BWL. Ständig hatte ich Angst, Fehler zu machen oder welche gemacht zu haben. Ich versteckte mich hinter meinen selbst gebauten Mauern und lebte verunsichert dahinter. Aber oft fühlte ich in mir eine Kraft und Energie, die sich mit dieser Art zu leben nicht zufrieden geben wollte.

Eines Tages las ich die Geschichte von James Aggrey, in der er beschreibt, wie ein Adler in einem Käfig aufwachsen muss, bis er von einem naturkundigen Mann aus seiner nicht artgerechten Lebensweise befreit wird. Ich fand mich sofort darin wieder und spürte in mir eine unbeschreibliche Sehnsucht nach dem weiten Himmel und der unbeschränkten Freiheit.

Seitdem bin ich auf dem Weg, lasse die falschen Überzeugungen und den Glauben „klein“ sein zu müssen hinter mir und gehe auf das zu, was sich Gott für mich gedacht hat und wie er mich begabt und befähigt hat. Diese Entdeckungsreise ist spannend, nicht immer schmerzfrei – aber unglaublich befreiend!

Der Adler als König der Lüfte fasziniert mich sehr. Ich habe viel von ihm gelernt, auch in Bezug auf meinen Glauben. Schon als Jugendliche mochte ich den Bibelvers aus Jesaja, Kapitel 40, Vers 31: „Aber die auf den HERRN hoffen, gewinnen neue Kraft; sie heben die Schwingen empor wie die Adler; sie laufen und werden nicht müde, sie gehen und sie sind nicht erschöpft.“ Und so habe ich mit viel Vertrauen auf Gott gelernt, „meine Schwingen zu heben“. Ich weiß, es wird auch Zeiten geben, in denen Laufen oder Gehen dran ist. Aber auch dafür werde ich die nötige Kraft bekommen.

Meinem Mann wollte ich gerne erzählen, was mir diese Geschichte bedeutet, von dem Prozess in mir, den sie ausgelöst hat, meiner Liebe zum Adler und der Sehnsucht nach Freiheit. Im Jahre 2002, auf einer langen Zugfahrt, begann die Geschichte von einem Adler und wie er in einen Hühnerstall kommt, in meiner Phantasie Gestalt anzunehmen. So entstand dieses Kinderbuch, das ich meinem Mann zum Geburtstag schenkte. Aber daraus wurde mehr, denn sie blieb für uns beide nicht ohne Wirkung – in vielerlei Hinsicht ...

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